Alte Berufsschule Ernst-Zinna wird zum Gewerkschaftshaus Zwickau – Baustellenführung
Der bedeutende klassizistische Bau der Zwickauer 1. Bürgerschule wurde 1840 durch den Zwickauer Stadtbauinspektor Karl Friedrich Emil Gutwasser errichtet und hatte im Laufe der Jahrzehnte verschiedenste Nutzungen inne. Heute wird das denkmalgeschützte Gebäude von MKH-Architektur sensibel zum Gewerkschaftshaus Zwickau umgewandelt.
Der alte, ablesbare Schulneubau stellte in seiner Entstehungszeit einen sehr modernen, großzügigen Bau dar, der schon zur Eröffnung 1842 in der Presse hinsichtlich seiner durchdachten Architektur gelobt wurde: „Nach allen Seiten des Himmels hinaus gehen ihre Lehrzimmer…“, „strömet ihm des Tages Licht in vollem Glanze zu.“
Ein großer Festsaal im 1. Obergeschoss mit Blick auf den Zwickauer Dom wurde neben schulischen Zwecken über viele Jahrzehnte auch als Sitz für den Rat der Stadt und für Gottesdienste der „Deutsch-Katholische-Gemeinde“ verwendet. 1850 wurde berichtet „Die Hauptzierde des Gebäudes ist der schöne Saal, [..]. Er geht durch die oberen zwei Stockwerke hindurch, ist sehr reich und geschmackvoll in den Farben Weiß und Rot, mit mehrfacher Anwendung der Schwäne des Stadtwappens dekoriert und hat drei Galerien, auf deren mittlerster ein gutes Positiv (kleine Standorgel) steht.“
Bereits 1936 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. In der Begründung heißt es u.a. „Das bedeutendste klassizistische Bauwerk Zwickaus aus der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts mit außerordentlich vornehmer und monumentaler Fassadengliederung…“ Im Einweihungsjahr besuchten 1250 Kinder die Schule, bereits 1850 hatte sich die Schülerzahl auf fast 1800 erhöht und das Gebäude bereits zu klein werden lassen. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gebäude stets als Schule entsprechend seiner vorgesehenen Bestimmung genutzt. Dabei änderte sich jedoch mehrfach die Schulart sowie die der Schüler. Zuletzt wurde das Bauwerk in den 1990er Jahren als „Berufsfachschule für Technik“ genutzt und in Zwickau bekannt. Im Jahr 2011 wurde das Gebäude Sitz eines IT-Dienstleisterunternehmen und als Bürogebäude umgebaut und genutzt.
2021 erwarb die Treuhandverwaltung IGEMET das Gebäude und es wird heute den Bedürfnissen der neuen Nutzer der lokalen Gewerkschaften entsprechend in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt aufgearbeitet. Im Zuge der Arbeiten wird ein barrierefreier Hauptzugang zum Vorplatz und im Lichthof ein Personenaufzug errichtet.
Architektur
Bei dem Kulturdenkmal handelt es sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit quadratischem Grundriss. Durch den neuen barrierefreien Haupteingang in der Peter-Breuer-Straße gelangt man in das symmetrisch angelegte Foyer. Dieses wird durch massive, freistehende Pfeiler und Wandpilaster gegliedert. Der Wandsockel wurde mit Hilbersdorfer Porphyr verkleidet. Über kleine flankierende Treppenaufgänge links und rechts vom Haupteingang gelangt man in die Flure des Erdgeschosses. Gegenüber dem Haupteingang befindet sich die repräsentativ geschwungenen Treppen zu den Obergeschossen und dem großen Festsaal. Als Geländer dienten gusseiserne dekorative Eisenstäbe, die seitlich durch palmettenartige Ornamente aus Holz begrenzt werden. Die an die Treppenhäuser anschließenden Flure in den Obergeschossen verlaufen dreiseitig um einen zentralen Lichthof herum. Von hier werden die ehemaligen Klassenzimmer, jetzt die neuen Büro- und Besprechungsräume, erschlossen.
Als Grundlage der Neugestaltung dienen die vorliegenden denkmalschutzrechtlichen Gutachten, Bemusterungen der historischen Materialien und Farben sowie im Kontrast miteinander eine zeitgemäße Raumgestaltung. So ist im zweigeschossigen Festsaal heute noch die klare und monumentale Formsprache des Klassizismus deutlich erkennbar und wird in seiner Farbigkeit wieder herausgearbeitet.
Mit der städtebaulichen Einordnung zwischen dem Dom St. Marien und dem Platz der deutschen Einheit (damals Albertplatz) übernimmt das neue Gewerkschaftshaus als Baudenkmal eine einzigartige Stellung in der Zwickauer Innenstadt ein.
Sanierung
Aktuell wird der Haupteingang über drei bauzeitliche Granitstufen begangen. Um eine barrierefreie Zugänglichkeit zu schaffen, werden links und rechts entlang der vollen Breite des Mittelrisalits rampenähnliche Zuwegungen geschaffen. Hierbei werden die historischen Stufen ausgebaut, aufgearbeitet und planeben wieder eingebaut. In diesem Zusammenhang werden zwei Stufen eingebaut, die nach links und rechts auslaufen, sprich die Form der Rampe aufnehmen.
Im Gebäudeinneren ist im Bestand ein Höhenunterschied zwischen Foyer und den Fluren des Erdgeschosses vorhanden. Dieser Höhenunterschied kann von mobilitätseingeschränkten Personen durch einen Hublift überwunden werden. Die geschossübergreifende Erschließung erfolgt zukünftig durch einen im Lichthof errichteten Personenaufzug.
Architekturbüro:
MKH ARCHITEKTUR Gesellschaft von Architekten mbH
Bauherr:in:
Treuhandverwaltung IGEMET GmbH
Alte Berufsschule Ernst-Zinna wird zum Gewerkschaftshaus Zwickau – Baustellenführung
Eine Veranstaltung von: MKH ARCHITEKTUR Gesellschaft von Architekten mbH.
10:00 – 16:00